ZEN – Fotografie

„Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“. Johann Wolfgang von Goethe.

Was hat das fernöstliche Zen mit Fotografie zu tun?

Zen bedeutet, den Zustand tiefer meditativer Versenkung zu erreichen, die Trennung vom Inneren und dem Äußeren zu erzielen, eins zu werden, mit sich und seinem Gegenüber.
Erst kürzlich hatte ich eine derartige Erfahrung, obwohl mir der Begriff Zen-Fotografie erst ein paar Tage später durch Zufall in die Hände fiel.

Mit meiner Kamera lief ich durch die Stadt, wie ich es öfter tue. Ich hatte weder ein Ziel, noch eine Idee, was mich erwartet. Ich ließ mich treiben. Die schönsten Momente erfahre ich meist, wenn ich das Leben an mir vorbeiziehen lasse, ohne es beeinflussen zu wollen. Ich kam zu einer Kirche, die von einem Gerüst umgeben war. Ich rechnete nicht damit, Einlass zu bekommen, doch die schwere Holztür öffnete sich tatsächlich knarrend. Dort wurde es schlagartig still. Eine Ruhe, die man in der Stadt selten erfährt. Eine Ruhe voller seliger Leere. Ich setzte ich mich hinten in eine alte Holzbank, betrachtete das Licht, welches sich in den bunten Scheiben brach. Ich spürte, wie sich mein Sehen entschleunigte, es tastete sich von Punkt zu Punkt, wanderte über die verschiedenen Texturen, nahm Details wahr, die volle authentische Unvollkommenheit dieses Ortes. Ich ließ mich von der Ruhe & der Leere inspirieren, Gefühle füllten die freien Plätze, Erinnerungen, kleine Mosaiks verbanden sich zu einem Bild, zu etwas Neuem.
Lange saß ich da, ohne daran zu denken, meine Kamera ins Spiel zu bringen. Ein tiefer Moment zeigt keine Notwendigkeit festgehalten zu werden, doch das tanzende Lichterspiel ließ mich nicht länger still sitzen. Diese Schlichtheit und Ästhetik wollte ich einfangen. Genau wie das Bogenschießen im Zen, die Fokussierung, das Loslassen und die Konzentration voraussetzt, so ist es auch in der Fotografie. Die Bewusstheit ist die Grundvoraussetzung um bewegende Fotos zu schießen.

Probiert es aus und erzählt mir davon. Eure Peggy

„Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen“. Pearl Sydenstricker Buck

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